Als ehemaliger Beamter der Vereinten Nationen betrachte ich die Entwicklungsforschung aufmerksam und war von der Arbeit der österreichischen Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) immer sehr positiv beeindruckt. Die politische Entscheidung, die Finanzierung der KEF einzustellen halte ich für einen Fehler, der sehr negative Auswirkungen auf die internationale Reputation Österreichs haben kann.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Direktor des Club of Rome bis Oktober 2018
Ehrenpräsident des Club of Rome seit November 2018

Die Finanzierung der Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) wird von Seiten des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) mit Ende des Jahres 2018 eingestellt.

37 Jahre lang hat die KEF mit über 100 Projekten in 41 Ländern Entwicklungsforschung auf höchstem Niveau ermöglicht. Die Einstellung der Projekttätigkeit, der Öffentlichkeitsarbeit und der nationalen und internationalen Netzwerkaktivitäten stellt einen dramatischen Verlust für die Scientific Community und der Entwicklungsforschung dar. Dies betrifft insbesondere die Kolleginnen und Kollegen bzw. alle Stakeholder in den Partnerländern.

Mit dieser Webseite möchte ich Ihnen allen, welche Sie die engagierte und professionelle Arbeit der KEF gleichermaßen schätzen wie ich, Gelegenheit geben, sich zu informieren.

Als Wissenschaftler und ehemaliger Leiter von KEF-Projekten in Lateinamerika, möchte ich Sie bitten, Stellung zu beziehen und auf die Wichtigkeit der Fortführung der Aktivitäten der KEF zu verweisen.

Dr. Georg Grünberg
Tucson/Arizona, 25.11.2018

The Austrian Federal Ministry of Education, Science and Research (BMBWF) has decided to cease its funding of the Commission for Development Research (KEF) by the end of 2018.

For 37 years – financing 100 projects in 41 countries – KEF has enabled development research on an excellent level. Closing down the project funding, public relations & knowledge management and the national and international networking activities constitutes a dramatic loss for the scientific community and for development research. This holds particularly true for colleagues and stakeholders in the partner countries.

With this website, I would like to give everyone who values the professional and committed work of KEF as much as I do the opportunity to get informed.

Being a researcher and former coordinator of KEF projects in Latin America myself, I request you to take a stand and to point to the importance of a continuation of the activities of KEF.

Dr. Georg Grünberg
Tucson/Arizona, 25.11.2018

57 Kommentare

  1. Die bevorstehende (oder schon beschlossene?) Auflösung der KEF ist die letzte triste Konsequenz einer bald vierzig Jahre dauernden Reihe von politischen Lippenbekenntnissen zu einer Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen und einzelnen Wissenschaftern in der Forschung. Gegründet nach der UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie für die Entwicklung in Wien 1976 war sie als neuer forschungspolitischer Schwerpunkt geplant, bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angebunden und bescheiden finanziert.

    Die Kommission hat nicht nur zahlreiche Forschungsprojekte von engagierten Wissenschaftern gefördert, sondern hat in Österreich auch als eine Plattform für Diskussionen über globale Fragestellungen und die Orientierung wissenschaftlicher Konsequenzen der globalen Entwicklung gedient. Jedoch musste das kleine Budget der Kommission jährlich gegen verächtliche, abwertende Positionen der ökonomischen Mehrwertvertreter verteidigt werden; eine substanzielle Steigerung des Budgets wurde ohne inhaltliche Begründung stets hintertrieben. Zugleich jedoch diente die Kommission bei Besuchen von Ministern aus Asien oder Afrika als gelegentlich geschätztes Feigenblatt der österreichischen Kooperationsbereitschaft.

    Mit der Zeit hat in der institutionell geprägten Kommission ein Reflexionsprozess eingesetzt, der eine personelle Verjüngung und eine erfolgreiche Fokussierung der wissenschaftlichen Expertise bewirkt hat. Innenpolitische Veränderungen haben jedoch zur Loslösung aus dem Bereich der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hin in den mit mehr als dreissig höchst unterschiedlichen Förderungsaktionen sehr breiten Schoß des ÖAD geführt. Internet-Anfragen zur Forschungsförderung führen nun zur Auskunft „ERROR 404 Not Found“.

    Diskussion und/oder sachlich fundierte Kritik an der Tätigkeit der Kommission wird – wie auch in zahlreichen anderen Fällen – verweigert, Begründungen fehlen. Letztlich scheint die Schließung der KEF “nur“ die Entfernung des Schlusssteines einer jahrzehntelangen Vernachlässigung eines Instruments der Forschungszusammenarbeit mit Partnern im Süden zu sein; sie zielt zugleich auf Lähmung eines kritischen Netzwerks und möglicher unwillkommener Initiativen.

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  2. Die fortschreitenden Klimakrise zeigt ein inakzeptable hohes Risiko für die Gesundheit weltweit (The 2018 report of the Lancet Countdown on health and climate change). Länder des globalen Südens sind besonders betroffen. Statt diesem Phänomen, das in einer vernetzten Welt auf die eine oder andere Art auf Länder wie Österreich zurückfällt, ohnmächtig zu begegnen, wären hier verstärkte Anstrengungen notwendig. Die politische Entscheidung, die Finanzierung der Kommission für Entwicklungsforschung einzustellen, geht daher in eine falsche Richtung. Ein Überdenken dieser Entscheidung ist dringend geboten, um die Handlungsspielräume aktiv nutzen zu können.

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  3. Die Arbeit der KEF ist wichig und wertvoll und unterstützt darüber hinaus Österreichs Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals (insbesondere SDG 4.7 und SDG 17), zu denen sich die Republik bekannt hat. Bei einem Bundesbudget von etwa 77 Mrd. Euro ist der Förderungsbeitrag für die KEF im Bereich Promillbereich von einem Promill (!): Daher sollte es der Bundesregierung nicht nur wert, sondern auch einfach möglich sein, diesen weiterhin aufzubringen.
    Dr. Ralf Aschemann

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  4. Mit der Beendigung der Finanzierung der Kommission für Entwicklungsforschung wird die einzige österreichische Plattform für Wissenschaftskooperationen im Bereich Entwicklungsforschung zerstört. Durch jahrelange Aufbauarbeit hat sich die KEF gerade in den letzten Jahren einen angesehenen Platz in der Landschaft der internationalen Entwicklungsforschung erarbeitet, engagiert Kooperationen, internationale Vernetzungen vorangetrieben und Kommunikationsarbeit geleistet.

    Als Kuratoriumsmitglied der KEF bedauere ich zutiefst das Ende der KEF! Schon als junge Studentin und später als Wissenschaftlerin waren die Forschungsansätze der KEF, die Möglichkeiten der Kooperationsanbahnungen und deren Beispielwirkung von ungeheurer Wichtigkeit, Perspektiven für ein globales Miteinander zu entwickeln. Zudem ist die professionelle Administration dieser Kooperationen bzw. die Bewerbung internationaler Initiativen zu Kooperationen zwischen dem Globalen Süden und Norden in Zeiten von verstärkter Migration und unleugbarem Klimawandel innerhalb einer Generation umso wichtiger.

    Die aktuelle Wissenschaft- und Wirtschaftspolitik hat sich anscheinend wieder der trickle-down-Theorie verschrieben, die, wie seit Jahren bewiesen, einfach nicht funktioniert. Entwicklungsforschung in Zukunft in die Hände von wenigen, mit einer vollen Universitätsanstellung versehenen österreichischen WissenschaftlerInnen zu legen, die nebenbei noch Projekte entwickeln, Netzwerke aufbauen, administrieren und bewerben können, ist genauso naiv wie es Papst Franziskus über den trickle-down Effekt ausgedrückt hat, es ist ein „undifferenziertes, naives Vertrauen auf die Güte derer (…) , die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, wie auch auf die sakralisierten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems“ bzw. Wissenschaftssystems. Es ist ein weiterer Abgesang auf die österreichische Wissenschaftspolitik! Und drängt die österreichische Entwicklungsforschung weiter in ein Schattendasein!

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  5. Die angekündigte Schließung der KEF hat bei den Mitgliedern des Mattersburger Kreises große Betroffenheit ausgelöst. Seit Jahren besteht eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen uns, zuletzt in Form der „Treffen der Österreichischen Entwicklungsforschung“, zu denen wir gemeinsam eingeladen haben.
    Die KEF wurde wie der Mattersburger Kreis im Jahre 1981 gegründet und wurde durchaus auch als Rivalin und eine Art Parallelaktion angesehen. In den letzten 10 Jahren konnten wir jedoch zunehmend mehr gemeinsame Anliegen realisieren. Und dies würden wir auch in Zukunft gerne tun!
    Die Entscheidung des Bundesministeriums zur Auflassung der KEF ist für uns völlig unnachvollziehbar, diente die KEF doch der Erreichung von Zielen, die von der Regierung immer wieder betont wurden, wie etwa Österreich zu einem führenden Forschungsstandort auszubauen oder einen Beitrag zur Einlösung der Sustainable Development Goals zu leisten. Wir fordern daher vom BMBWF eine Darlegung der Gründe für diese Entscheidung.

    Vorstand des Mattersburger Kreises für Entwicklungspolitik an den österreichischen Hochschulen

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  6. Forschung für Entwicklung und Entwicklungsforschung haben es in Österreich (und nicht nur hier) seit jeher schwer. Entstanden und getragen vom großen Engagement einzelner Personen leisten solche Initiativen aber einen wertvollen Beitrag, der umso mehr zu schätzen ist, als auch die mainstream-Wissenschaft dafür wenig übrighat – am allerwenigsten Geld.
    Nun sollte man meinen, dass erfolgreiche Arbeit, die mit relativ geringen öffentlichen Mitteln auskommt, nicht nur anerkannt wird, sondern auch finanziell und ideell gestärkt wird. Gerade jetzt ist vor dem Hintergrund der Sustainable Development Goals der Beitrag der KEF ein höchst wichtiger. Aber: Fehlanzeige! Die Regierung bzw. das Ministerium sehen das ganz anders …
    • Jahrzehntelange Fach-Expertise – wird nicht gebraucht!
    • Kommunikation mit den Betroffenen – ist verzichtbar!
    • Alternativkonzepte diskutieren – gibt es nicht!
    • Beteiligte in Umstrukturierungspläne einbinden – ist nicht vorgesehen!
    Wenn selbst in den Bereichen Wissenschaft und Forschung Entscheidungen der Politik ohne die scientific community, ohne engagierte WissenschafterInnen und ohne einschlägige Expertise getroffen werden, drängt sich die Frage auf: Sehen die Verantwortlichen Fach-Inputs und Partizipation als Störfaktoren?

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  7. Dass vernünftiger Diskurs, kritische Reflexion, internationale Zusammenarbeit, gerechte und nachhaltige globale Entwicklung, komplementäre Integration, und insbesondere Konfliktlösungsstrategien nicht zu den Zielsetzungen dieser Bundesregierung gehören, überrascht nur wenig. Insofern liefert die KEF mit ihren langjährigen Meriten in diesen Bereichen geradezu einen logischen Opponenten, der – ähnlich wie das Südwind Magazin – möglichst rasch mundtot gemacht werden soll. Dass die Entscheidung zur Auflösung einer so verdienstvollen Organisation im Schnittpunkt von Wissenschaft, Forschung und außenpolitischer Praxis jedoch ausgerechnet unter einem Fachwissenschaftler als zuständigem Minister
    fällt, erfüllt hingegen den Tatbestand eines krassen Falles von „co-optation“, der sehr wohl verblüfft.

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